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Der Schmetterling – Symbol der Hoffnung

Auf meiner Website, in meinem Logo, in meinen Büchern, bei uns zu Hause – immer wieder tritt der Schmetterling in Erscheinung. Wieso? Der Schmetterling wurde mir in einer schwierigen Lebensphase zu einem kraftvollen Symbol der Hoffnung.

Ein Sommerabend in Herrnhut
Es war an einem unvergesslichen Sommerabend im August 2009. Im geschichtsträchtigen Städtchen Herrnhut in der sächsischen Oberlausitz. Tagsüber hatte ich mich im Unitätsarchiv der Herrnhuter Brüdergemeine in alte Dokumente vertieft. Dort verfolgte ich Spuren der baltischen Baronin Juliane von Krüdener, über die ich meine Doktorarbeit schrieb. Persönlich befand ich mich schon länger in einer Krise. Ich fühlte mich zu verletzlich für diese Welt, traurig und einsam. Nach außen hin versuchte ich stark zu wirken in meinen vielfältigen Lebensrollen – als Ehefrau, junge Mutter, Tochter und vieles mehr. Doch meine innere Welt stand Kopf. Ich verstand nicht, wieso ich alles so tief empfand. Wieso mein Herz inmitten vieler Segnungen so traurig war. Wieso mich überforderte, was andere Ehefrauen und Mütter mit scheinbarer Leichtigkeit bewältigten. Heute weiß ich, dass viele dieser Empfindungen mit meiner hochsensiblen und introvertierten Wesensart zusammenhingen, die ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht als solche erkannte.
Nach dem intensiven Tag im Archiv genoss ich die herrliche Umgebung. Es war der Inbegriff eines malerischen Sommerabends. Das sanfte Licht der tief stehenden Sonne unterstrich die friedvolle Atmosphäre, die über jenem Ort lag. Der intensive Duft der Felder und Pflanzen, der laue Abendwind sowie die gedämpften Geräusche der Natur wirkten wohltuend auf mein aufgewühltes Gemüt, das in scharfem Kontrast zur harmonischen Abendstimmung stand. Durch das Niederschreiben meiner Gedanken in einem Tagebuch verschaffte ich mir innerlich Luft. Ich beschrieb mein Gefühl, innerlich festzusitzen. Aber auch, dass ich seit Beginn des Jahres 2009 immer wieder das Bild der Metamorphose, der Verwandlung einer Raupe zum Schmetterling, vor Augen hatte und damit verbunden den Eindruck, dass Gott mich in einen grundlegenden Verwandlungsprozess führen möchte. Die Vorahnung, dass ich mich im Übergang zu einer noch dunkleren Phase, einer Phase der „Verpuppung“, befand, lastete schwer auf mir.

Besuch von einem Schmetterling
Als ich so dasaß und schrieb, erhielt ich plötzlich Besuch – von einem Schmetterling! Er flog nicht bloß flüchtig an mir vorbei, sondern ruhte sich bei mir aus. Zwischendurch verschwand er kurz, nur um wenig später wieder bei mir zu landen. Es war leicht zu erkennen, dass es sich um ein und denselben Schmetterling handelt. Sein rechter Flügel war auf unverkennbare Weise deformiert. Gezeichnet vom Leben und dem, was er durchlitten hatte. Seine unvollkommene, einzigartige Schönheit berührte mich. Egal, ob ich Tagebuch schrieb, fotografierte oder später in einem alten Buch las, der Schmetterling blieb bei mir – auf meinem Tagebuch, dem Schreibstift, dem Buch. Schließlich setzte er sich auf mein Sommerkleid und blickte zu mir hoch, als ob er um meine ungeteilte Aufmerksamkeit bitten möchte. Also legte ich alles beiseite und konzentrierte mich auf das filigrane Wesen vor mir. Was mich erreichte, war eine Botschaft der Hoffnung. In dem Moment, als ich mich vor einer Kokonzeit fürchtete, wurde mir bewusst, dass göttliche Wunder nicht selten in Zeiten der Dunkelheit geboren werden.

Material für mein Buch «einzigartig»
Die Vorahnung jenes Abends bestätigte sich. Es folgte eine lange, schmerzvolle Kokonzeit. Im tiefsten Dunkel klammerte ich mich an die Hoffnung auf ein Schmetterlingswunder. Ich durfte erfahren, dass ich gehalten bin, selbst dann, wenn ich die Bodenhaftung verliere und nicht einmal mehr glauben konnte. Die Verwandlung der Raupe zum Schmetterling in der Natur wurde zu einem Sinnbild für mein eigenes Leben und einige Jahre später zum Material für meinen ersten geistlichen Ratgeber: einzigartig – Entfalte, was in dir steckt.

Der Schmetterling als Sinnbild der Seele
Was verbindet den Schmetterling auf einem antiken ägyptischen Grabbild mit einem Schmetterling an der Wand eines ehemaligen Konzentrationslagers oder mit dem Schmetterling auf einem Grabstein in unserem Dorf? Die Antwort lautet: Hoffnung! Sehnsüchtige Hoffnung darauf, dass das Leben nicht mit dem körperlichen Tod endet, sondern dass die Seele weiterlebt. Eine Erklärung dafür, dass die Seele bis heute in den verschiedensten Kulturen auffallend häufig mit dem Schmetterling in Verbindung gebracht wird, findet sich in der griechischen Sprache. Das altgriechische Wort psyche bedeutet nämlich nicht nur Seele, sondern auch Schmetterling. Diese Doppelbedeutung von psyche ist seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen. Wie vor ihnen die Ägypter sahen auch die Griechen in den Schmetterlingen Erscheinungsformen der Seele und damit ein Symbol für deren Unsterblichkeit. Dementsprechend wurde die Göttin Psyche – als Personifikation der menschlichen Seele – in der griechischen Mythologie mit Schmetterlingsflügeln dargestellt.

Schmetterlingssymbolik damals & heute
Der Schmetterling galt in vielen Kulturen und Epochen als Symbol für neues Leben. Im asiatischen Raum und bei den alten Mayas brachte man den Schmetterling mit dem Tod und einem Leben danach in Verbindung. Die Mayas glaubten, die Schmetterlinge würden die Seelen ihrer Verstorbenen wieder auf die Erde zurückbringen. Auch von den Indianern Nordamerikas sind viele Bräuche und Riten bekannt, die mit Schmetterlingen zusammenhängen. Die Azteken glaubten, dass die Toten in Gestalt wunderschöner Schmetterlinge zurückkamen, um ihre Verwandten zu besuchen und sich zu vergewissern, dass es ihnen gut geht. Im Übergang von der Antike zum Mittelalter verbreitete sich die Lehre, dass Schmetterlinge die Seelen verstorbener Kinder sind. Der Überlieferung nach war es im 17. Jahrhundert in Irland verboten, einen weißen Schmetterling zu töten, da man ihn für die Seele eines toten Kindes hielt.
Auch in der Gegenwart gibt es für fast alle Länder, Kulturen und Epochen eine Vielzahl von Mythen, Legenden und Bräuchen, die sich um den Schmetterling ranken. Bei den südamerikanischen Hopis (indianische Ureinwohner) wird der Schmetterling als Verbindung zwischen Menschen und Göttern angesehen. Die Indianerweisheit „Flüstere deine Wünsche einem Schmetterling – er wird sie zu den Göttern tragen“ stammt ursprünglich aus dem mexikanischen Hochland und wird in den Anden heute noch jedes Jahr bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen zelebriert. Auch in Indien begegnet man an Hochzeiten häufig Schmetterlingen. Sie stehen symbolisch für das eheliche Glück.
In der Traumatherapie steht der Schmetterling oft als Symbol für die persönliche seelische Wandlung. Die Larve des Schmetterlings und die Raupe verweisen auf noch unbewusste Seelenanteile, während der farbenprächtige Schmetterling die Schönheit der entfalteten Seele anzeigt.

Der Schmetterling im Christentum
Auch im Christentum hat der Schmetterling als Verkörperung der menschlichen Seele Eingang gefunden. Als Zeichen der Auferstehungshoffnung hatten bereits frühe Christen gelegentlich Schmetterlinge auf Grabplatten und Sarkophage geritzt. In dieser Traditionslinie wurde der Schmetterling besonders im 18. und 19. Jahrhundert zu einem populären Symbol der Grabkunst. Darüber hinaus wurde er auch zum Sinnbild für die bereits vollbrachte Auferstehung Christi und infolgedessen als Symbol der Hoffnung, der Verwandlung und des neuen Lebens zu einem österlichen Zeichen. Bis heute hat die Schmetterlingssymbolik weltweit nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Es ist bewegend, wie der Schmetterling unzähligen Generationen zu einem Zeichen der Hoffnung wurde.

Meine Schmetterlingshoffnung
An jenem Sommerabend in Herrnhut hatte ich meine Schmetterlingshoffnung wie folgt in meinem Tagebuch festgehalten: „Der Kokon wird zum Ort einer geheimnisvollen Metamorphose. (…) Es ist ein harter, einsamer, isolierter und irreversibler Prozess! (…) Es ist eine Phase der Schwachheit, des Loslassens, der Ernüchterung, der Melancholie, aber auch der Hoffnung. Denn ich will in der Kraft Gottes ein Schmetterlingswunder erleben: Verwandelt möchte ich meinen Kokon wieder verlassen. In neuer Gestalt in eine neue Dimension eintreten. Eine Freiheit erleben, die ich so noch nie erlebt habe. Dort dienen, wo Gott mich haben will – flexibel sein! Farbe bekennen! Nicht zurück in den Kokon. In alldem bleibe ich komplex und sehr zerbrechlich – auch verletzlich! Ich brauche ein geeignetes Wirkungsfeld, in dem ich mich ENT-FALTEN kann. Ich kann davonfliegen, wenn ich will. Bin nicht gefangen. Darf neu aussuchen, wo ich mich niederlasse.“
Anders als in der Natur, wo die Metamorphose ein einmaliger Prozess ist, können sich die Entwicklungsstufen im menschlichen Leben wiederholen. So ertappe ich mich vielleicht hin und wieder in einer raupenähnlichen Phase. Denn auch ein Raupenleben mag seine Annehmlichkeiten haben. Man könnte sich sogar damit abfinden – mit einem Leben in diesem eingeschränkten Horizont. Doch die Raupe ist zu viel mehr bestimmt: Sie trägt Flügel in sich! In ihr ist alles angelegt, was sie für die Verwandlung zum Schmetterling braucht. Wieso sollte ich mich mit weniger zufrieden geben, als wozu ich vom Schöpfer bestimmt bin? Oder es kann geschehen, dass ich mich wiederholt in einer Kokonzeit wiederfinde, wo es beängstigend dunkel ist und mein Mut schwindet. Genau hier schöpfe ich beim Blick in die Natur neue Hoffnung. So, wie ein Kokon an einem Seidenfaden befestigt ist, während sich sein Inneres zersetzt und neu zusammenfügt, dürfen auch wir darauf vertrauen, dass wir in den dunkelsten Zeiten unseres Lebens gehalten sind. Als überzeugte Christin glaube ich daran, dass es der dreieinige Gott selbst ist, der uns in solchen Zeiten liebevoll in seinen Händen hält.

Hoffnungsgruß an Sie!
So soll mein erster Blogpost ein Hoffnungsgruß an Sie sein, liebe Leserin / lieber Leser. Gerade auch im Blick auf den baldigen Übergang in ein neues Jahr – geprägt von vielen Unsicherheiten und vielleicht auch Ängsten. Wenn Sie im Leben feststecken, wenn Sie sich haltlos oder überfordert fühlen, wenn Ihnen die Kontrolle entgleitet oder die Dunkelheit Sie zu verschlingen droht: Denken Sie an den Schmetterling und daran, dass Zeiten der Dunkelheit nicht das Ende bedeuten müssen, sondern mit Gottes Hilfe zum Ausgangspunkt eines Wunders werden können.

Haben auch Sie besondere Erlebnisse mit einem Schmetterling gemacht? Was verbinden Sie mit diesem filigranen Wesen? Kennen Sie bestimmte Schmetterlingsbräuche? Ich freue mich über Ihre Reaktion in den Kommentaren.

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Autorin Debora Sommer

 

Dieser Beitrag hat 16 Kommentare

  1. Sarah

    Wow. Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Blog-Eintrag. Ich freue mich jetzt schon die neuen zu lesen und bin gespannt was Gott dir aufs Herz legt. Lieber Gruss Sarah

    1. Debora Sommer

      Herzlichen Dank, liebe Sarah!

  2. Ralph

    “Wie wird man zum Schmetterling? fragte Puuh nachdenklich.

    Du musst so sehr fliegen wollen, dass du bereit bist, dein Raupendasein aufzugeben”, antwortete Ferkel.

    Du meinst sterben?”, fragte Puuh.

    “Ja und nein”, antwortete er. “Was aussieht wie du, wird sterben, aber was wirklich du bist, wird weiterleben”.
    – A.A. Milne

    1. Debora Sommer

      Danke Ralph, eines meiner Lieblingszitate … !!

  3. Denée King

    Ein gemeinsamer Freund von uns, Ralph Rickenbach, hat mir heute Morgen Ihren Butterfly-Blog gezeigt. Es ist ein wunderschön geschriebener Artikel und ich war sehr erleuchtet von der Geschichte des Schmetterlings durch die Jahrhunderte. Ich selbst habe eine ähnliche Reise mit dem Geheimnis des Schmetterlings hinter mir. Sie begann vor etwa 10 Jahren und war eine fast unerklärliche Entwicklung meines eigenen Verständnisses von Transformation.
    Ich würde Ihnen gerne einige Gedanken, die ich über den Schmetterling entdeckt habe, in einer persönlichen E-Mail schicken, anstatt hier zu antworten. Wären Sie bereit, Ihre E-Mail mit mir zu teilen? Ich danke Ihnen! Denée (ich komme aus den USA)

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

    1. Debora Sommer

      Dear Denée, thank you so much for your touching feedback. I’m looking forward to reading from you (my e-mail is: info[at]deborasommer.com). With many greetings, Debora

  4. Regula

    Wow gratuliere herzlich zu deinem ersten Blogbeitrag liebe Debby. Das Bild der Transformation der Raupe zum Schmetterling hat mich schon in deinem Buch sehr angesprochen… inspirierend und tiefgründig wie es zu dir passt! Liebs Grüessli Regula

    1. Debora Sommer

      Härzleche Dank, liebi Regula!!!

  5. Rösli Hirsbrunner

    Herzlichen Dank liebe Deborah. Dein Blog-Eintrag zum Thema Schmetterling berührt mich sehr!
    Herzliche Gratulations zu deiner neuen Website – gefällt mir sehr!

    1. Debora Sommer

      Vielen Dank für dein ermutigendes Feedback, Rösli! Das freut mich sehr.

  6. Liebe Debora
    Erst mal Kompliment für deine Website! Ich finde sie sehr ansprechend gestaltet und ich bin schon sehr gespannt, welches Angebot du entwickelst. Buch zur Neurosensitovität habe ich bereits bestellt🙃

    Das Bild des Schmetterlings spricht mich sehr an, denn es begleitet mich schon seit meiner Jugendzeit und wurde vor kurzem wieder ganz aktuell. Daher danke für deine Wort dazu!

    Liebe Grüsse Sabine

    1. Debora Sommer

      Vielen Dank für das liebe Feedback, Sabine! Das freut mich sehr 🙂

  7. Beate L.

    Liebe Debora,
    Ich habe mehrere deiner Bücher gelesen,welche mich sehr bewegt haben, auch das Schmetterlings.buch und schon verschenkt.

    Danke für den Blogeintrag, das Schmetterlings.symbol hat mich auch in vielen Lebenssituationen schon begleitet u bewegt.

    Außerdem ist Herrnhut seit ca 15 Jahren einer meiner Kraftorte und ein Ort besonderer Auszeiten, Gottesbegenungen und besonderer Freundschaften, den ich mehrfach im Jahr aufsuche. So hat mich der Text doppelt bewegt und meine Seele zum klingen gebracht.

    Vielen lieben Dank und liebe Grüße!
    Beate

    1. Debora Sommer

      Liebe Beate, vielen Dank für dieses berührende Feedback! Ich freue mich darüber. Herzlich, Debora

  8. Tirza

    Liebe Debora
    Vielen Dank für deine schöne Webseite und diesen Blogeintrag.
    Der Schmetterling hat für mich auch eine spezielle Bedeutung. Ich freue mich riesig, wenn ich einen Schmetterling sehe. Für mich ist der Schmetterling ein feines Wesen, zerbrechlich, aber er muss sich zeigen. Ich sage manchmal von mir, dass ich ein Schmetterling sei, den man nicht einsperren kann. Der Schmetterling muss rausgehen und fliegen. Nur so kommt seine Schönheit zur Entfaltung.
    Liebe Grüsse, Tirza

    1. Debora Sommer

      Herzlichen Dank für dein schönes Feedback, liebe Tirza. Das freut mich sehr!

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